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Implementierungsleitfaden
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Es gibt eine Reihe von Szenarien (s.u.), die einen etwas umfassenderen Austausch von Patientendaten erfordern, wo es sich dann nicht nur um eine Art von Informationen wie bspw. Dokumente oder Arztbriefe handelt.
  
 
== Hintergrund==
 
== Hintergrund==
Laut eHealth-Gesetz muss die KBV für den ambulanten und die DKG für den stationären Sektor eine Vorgabe zur Systemwechselschnittstelle machen.
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Deutschland hat mit der Änderung des Paragraphen §291 im SGB V eine gesetzliche Forderung nach offenen und standardisierten Schnittstellen verankert. Laut diesem eHealth-Gesetz sind die KBV für den ambulanten und die DKG für den stationären Sektor für die Festlegung einer System- bzw. Arztwechselschnittstelle verantwortlich. Mit der letzten Änderung an diesem Gesetz Ende Mai 2017 sind außerdem Fristen ("2 Jahre nach der Festlegung") festgeschrieben worden.
  
Der KBV hat der bvitg xBDT vorgeschlagen. Bei der DKG setzt man darauf, dass nichts kommt.
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Der bvitg hat der KBV hier xBDT vorgeschlagen. (Von der QMS kam noch BDT3.0 als Gegenvorschlag.) Bei der DKG verzichtet man vorläufig auf eine Festlegung.
Laut eHealth-Gesetz und EU-DSVG hat der Patient ein Recht, seine Daten mitzunehmen.
 
Sobald diese Vorgaben in VESTA verankert sind, kann der Gesetzgeber dafür Fristen vorsehen.
 
  
== Zweck==
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Laut eHealth-Gesetz und EU-DSVG hat der Patient in naher Zukunft ein Recht, seine Daten mitzunehmen.
  
== Lösungsansatz==
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Sobald (diese) Vorgaben in VESTA verankert sind, kann der Gesetzgeber dafür Fristen vorsehen.
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==Zweck==
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Dieser Leitfaden soll unter Verwendung bereits vorhandener und genutzter Spezifikationen einen Strukturvorgabe für einen Datenaustausch bereitstellen, der die u.g. Szenarien abdeckt.
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==Lösungsansatz==
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Als Lösungsanatz wird hier XDM gewählt, da damit insbesondere ein Offline-Datenaustausch (ein System ist nicht verfügbar bzw. die Systeme sind nicht online miteinander verbunden) unterstützt wird. XDM selbst macht keine inhaltlichen Vorgaben, was genau auszutauschen ist. XDM stellt eine Strukturvorgabe auf einem Medium bereit und kombiniert dies mit Metadaten, um die bereitgestellten Dateien wieder einlesen/verarbeiten zu können.
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Andere Lösungsansätze wie bspw. "Blue Button" oder "FHIR Bulk Data" gehen nur von einer inhaltlich limitierten Abfrage von Informationen ohne Wiedereinlesen bzw. einem Online-Verfahren aus.
  
 
==Vorteile==
 
==Vorteile==
  
*Basiert auf Standards (IHE ITI XDM, HL7 V3 CDA, DICOM, PDF, FHIR)
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Dieser Leitfaden nutzt folgende Eigenschaften, um eine breitere Akzeptanz zu ermöglichen:
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*einsetzbar für verschiedene Szenarien (s.u.)
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*Basiert auf bereits genutzten Standards (wie bspw. IHE ITI XDM, HL7 V3 CDA, DICOM, PDF, FHIR)
 
*Verwendet bereits vorhandene deutsche Profile (Arztbrief PLUS, FHIR-Basisprofilierung, ..) bzw. das, was vorhanden ist
 
*Verwendet bereits vorhandene deutsche Profile (Arztbrief PLUS, FHIR-Basisprofilierung, ..) bzw. das, was vorhanden ist
*FHIR gestattet einfache Basisdaten
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*FHIR gestattet einfache Basisdaten:
 
**Patient, Fälle, Aufenthalte, Diagnosen, Prozeduren, Maßnahmen, ..
 
**Patient, Fälle, Aufenthalte, Diagnosen, Prozeduren, Maßnahmen, ..
 
**Ggf. zuzügl. Stammdaten (Value Sets)
 
**Ggf. zuzügl. Stammdaten (Value Sets)
*Inkrementell erweiterbar
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*Eine Umsetzung ist inkrementell erweiterbar
**Weitere Ressourcen, weitere Details in den Ressourcen
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**weitere Ressourcen/Dateien
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**weitere Details in den Ressourcen/Dateien
 
*Kurzfristig realisierbar (Spezifikation + Implementierung)
 
*Kurzfristig realisierbar (Spezifikation + Implementierung)
 
*Einstieg in Standardisierung
 
*Einstieg in Standardisierung
  
 
=Szenarien=
 
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Zur Erfüllung der Anforderungen gemäß eHealth-Gesetz (§291) müssen zwei Szenarien abgedeckt werden. Das ist zum Einen die Möglichkeit, dass ein Arzt das von ihm genutzt System wechseln kann, zum Anderen hat ein Patient das Recht, seinen Arzt zu wechseln und dazu alle notwendigen Daten mitzunehmen.
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Zur Erfüllung der Anforderungen gemäß eHealth-Gesetz (§291) müssen zwei Szenarien abgedeckt werden. Das ist zum Einen die Möglichkeit, dass ein Arzt das von ihm genutzte System wechseln kann, zum Anderen hat ein Patient das Recht, seinen Arzt zu wechseln und dazu alle notwendigen Daten mitzunehmen.
  
 
Die europäische Datenschutzgrundverordnung sieht ab Mai 2018 vor, dass ein Patient das Recht hat, seine Daten in strukturierter Form zu bekommen. Mit "strukturiert" ist in diesem Fall "Mascheinen lesbar" gemeint, da nur so die Daten für eine weitere Nutzung auch wieder eingelesen werden können.
 
Die europäische Datenschutzgrundverordnung sieht ab Mai 2018 vor, dass ein Patient das Recht hat, seine Daten in strukturierter Form zu bekommen. Mit "strukturiert" ist in diesem Fall "Mascheinen lesbar" gemeint, da nur so die Daten für eine weitere Nutzung auch wieder eingelesen werden können.
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[[datei:IHEwss_Transaktion.JPG|600px]]
 
[[datei:IHEwss_Transaktion.JPG|600px]]
  
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Welche Prozesschritte und Berechtigungen notwendig sind, um an die Daten zu gelangen, ist nicht Gegenstand dieses Leitfadens.
  
 
==Systemwechsel==
 
==Systemwechsel==
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Nicht zuletzt kann dieser Mechanismus auch dafür benutzt werden, eine Untermenge der Daten für einen bestimmten Zweck zu übertragen, beispielsweise zur Einholung einer Zweitmeinung.  
 
Nicht zuletzt kann dieser Mechanismus auch dafür benutzt werden, eine Untermenge der Daten für einen bestimmten Zweck zu übertragen, beispielsweise zur Einholung einer Zweitmeinung.  
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==EU-DSGVO==
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Laut europäischer Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) hat der Patient ab 18.5.2018 ein Recht darauf, seine Daten in strukturierter Form zu bekommen. Mit "strukturiert" ist in diesem Fall maschinenlesbar und kodiert gemeint, da nur so gewährleistet ist, dass eine größere Datenmenge auch sinnvoll wieder eingelesen und weitergenutzt werden kann. Damit scheidet PDF dann als mögliches Format aus und CDA oder FHIR tritt an diese Stelle.
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==Auskunftsersuchen==
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Ein anderer Use Case ist die Beantwortung von Auskunftsersuchen. Hier sind ebenfalls alle Daten bereitzustellen, die zu einem Patienten gehören.
  
 
=Grobstruktur der Dateien für IHE ITI XDM=
 
=Grobstruktur der Dateien für IHE ITI XDM=
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* ..
 
* ..
  
==FHIR-Ressourcen==
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==FHIR==
  
 
Das technische Komitee für FHIR erarbeitet derzeit eine Reihe von Basisprofilen zur Nutzung von FHIR in Deutschland. Bei der Nutzung von FHIR-basierten Dateien (=Resourcen) sind diese Profile einzuhalten:
 
Das technische Komitee für FHIR erarbeitet derzeit eine Reihe von Basisprofilen zur Nutzung von FHIR in Deutschland. Bei der Nutzung von FHIR-basierten Dateien (=Resourcen) sind diese Profile einzuhalten:
  
*administrativ
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{| NoteBox |
**Patient: demographische Daten
+
Grundlegende Informationen zur Nutzung von FHIR-Profilen sind hier zu finden:
**Encounter: Fallinformationen
+
* https://simplifier.net/BasisprofilDE/Grundlagen
*klinisch
+
* http://hl7.org/fhir
**Concern (Diagnosis): Diagnosen
+
}}
**Condition
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**Observation: Beobachtungen, Meßwerte und Befunde
+
===FHIR-Ressourcen===
**Procedure: Maßnahmen
+
 
**Medication: Medikation
+
{| class="hl7table"
**MedicationStatement
+
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**AllergyIntolerance
+
! Resource !! Inhalt !! Link !! Beispiele
**Goal
+
|-
**FamilyMemberHistory
+
!administrativ !! !! !!
*finanziell
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|-
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+
|Patient || demographische Daten || http://fhir.de/StructureDefinition/patient-de-basis || https://simplifier.net/BasisprofilDE/Patient-example
*technisch
+
|-
**CodeSystem: Kataloge
+
|Encounter|| Fallinformationen || ||
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+
!klinisch !! !! !!
**Practitioner
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|Concern (Diagnosis)|| Diagnosen ||
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|-
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|Medication|| Medikation || ||
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|-
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|AllergyIntolerance || || ||
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|Goal || || ||
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|-
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!finanziell !! !! !!
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|-
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|Coverage|| Versicherungsinformationen || http://fhir.de/StructureDefinition/coverage-de-basis, https://simplifier.net/BasisprofilDE/coverage-de-gkv, https://simplifier.net/BasisprofilDE/coverage-de-sel ||
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|-
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!technisch !! !! !!
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|-
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|CodeSystem|| Kataloge || ||
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|ValueSet || Wertemengen (Auswahllisten) || ||
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|-
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!organisatorisch !! !! !!
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|Practitioner || Ärzte || ||
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|Organization || Organisationen || http://fhir.de/StructureDefinition/organization-de-basis, https://simplifier.net/BasisprofilDE/organization-de-basis ||
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|-
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|... || || ||
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|}
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==FHIR-Datentypen==
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FHIR Resourcen sind nicht nur auf Ressourcenebene profiliert, es gibt auch spezielle Vorgaben für die Nutzung der Datentypen in bestimmten Kontexten:
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*http://fhir.de/StructureDefinition/humanname-de-basis
 
*...
 
*...
  
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|}
 
|}
  
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{|FAQBox|
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Zu besseren Integration sollte hier aber überlegt werden, ob nicht zugunsten internationaler Standards nicht besser auf FHIR Resourcen gewechselt wird.
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|}
  
 
=Signatur=
 
=Signatur=
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XDM sieht laut Technical Framework CD-R, USB-Sticks und ZIP-Dateien vor. Es spricht aber auch nichts dagegen, hier auch DVD, Terrabyte-Festplatten, NAS-Laufwerke und ggf. - sofern es datenschutzrechtlich abgesichert ist - Cloud-Speicher einzusetzen.
 
XDM sieht laut Technical Framework CD-R, USB-Sticks und ZIP-Dateien vor. Es spricht aber auch nichts dagegen, hier auch DVD, Terrabyte-Festplatten, NAS-Laufwerke und ggf. - sofern es datenschutzrechtlich abgesichert ist - Cloud-Speicher einzusetzen.
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=Implementierung=
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Der hier vorgestellte Ansatz bietet die Möglichkeit einer Skalierung in mehrere Dimensionen, so dass klein angefangen, später aber mit zusätzlichen Details ergänzt werden kann.
  
 
=Anhang=
 
=Anhang=
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==Beispiele==
 
==Beispiele==
  
== Literatur ==
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==Literatur==
  
 
* www.ihe.net
 
* www.ihe.net
 
** XDM
 
** XDM
  
== Referenzen ==
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==Referenzen==
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 +
*CDA
 +
*FHIR
 +
**http://hl7.org/fhir
 +
**BULK Data: http://docs.smarthealthit.org/flat-fhir/
 +
*xBDT
  
 
<references/>
 
<references/>

Version vom 5. Januar 2018, 14:10 Uhr


Abstimmungsdokument 
Version Datum Status Realm
01 01.03.2018 Si-draft.svg Entwurf Flag de.svg Deutschland
Document PDF.svg noch kein download verfügbar
Kontributoren 
Logo telekom healthcare.png Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH Bonn
Logo-Hcs.jpg Heitmann Consulting and Services GmbH, Gefyra GmbH Hürth


Dokumenteninformationen

Dieses Material ist Teil des Leitfadens Implementierungsleitfaden.
  • Direkt im Wiki geändert werden sollten Schreibfehler, ergänzende Hinweise.
  • Offene Fragen, die der Diskussionen bedürfen, sollten auf der Diskussionsseite aufgenommen werden.
  • Liste der Seiten dieses Leitfadens: hier, Liste der Seiten, in denen dieses Material verwendet (transkludiert) siehe hier .

Impressum

Dieser Leitfaden wurde im Rahmen des Interoperabilitätsforums und der Technischen Komitees von HL7 Deutschland e. V. sowie der entsprechenden Projektgruppen erstellt und unterliegt dem Abstimmungsverfahren des Interoperabilitätsforums[1] und der Technischen Komitees von HL7 Deutschland e. V. [2]

Ansprechpartner und Autoren

  • Dr. Frank Oemig, Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH, Bonn
  • Dr. Marc Kämmerer, Visus GmbH, Bochum


Dieses Material ist Teil des Leitfadens Implementierungsleitfaden.
  • Direkt im Wiki geändert werden sollten Schreibfehler, ergänzende Hinweise.
  • Offene Fragen, die der Diskussionen bedürfen, sollten auf der Diskussionsseite aufgenommen werden.
  • Liste der Seiten dieses Leitfadens: hier, Liste der Seiten, in denen dieses Material verwendet (transkludiert) siehe hier .

Disclaimer

Copyright-Hinweis, Nutzungshinweise

Nachnutzungs- bzw. Veröffentlichungsansprüche

Für alle veröffentlichten Dateien mit einem CDA-Bezug gilt ferner: Alle abgestimmten und veröffentlichten Spezifikationen wie Implementierungsleitfäden, Stylesheets und Beispieldateien sind frei verfügbar und unterliegen keinerlei Einschränkungen, da die Autoren auf alle Rechte, die sich aus der Urheberschaft der Dokumente ableiten lassen, verzichten.

Alle auf nationale Verhältnisse angepassten und veröffentlichten CDA-Schemas können ohne Lizenz- und Nutzungsgebühren in jeder Art von Anwendungssoftware verwendet werden.
Aus der Nutzung ergibt sich kein weiter gehender Anspruch gegenüber HL7 Deutschland e.V., zum Beispiel eine Haftung bei etwaigen Schäden, die aus dem Gebrauch der Spezifikationen bzw. der zur Verfügung gestellten Dateien entstehen.

Näheres unter http://www.hl7.de, http://www.hl7.org und http://www.ihe.net.


Einleitung

Es gibt eine Reihe von Szenarien (s.u.), die einen etwas umfassenderen Austausch von Patientendaten erfordern, wo es sich dann nicht nur um eine Art von Informationen wie bspw. Dokumente oder Arztbriefe handelt.

Hintergrund

Deutschland hat mit der Änderung des Paragraphen §291 im SGB V eine gesetzliche Forderung nach offenen und standardisierten Schnittstellen verankert. Laut diesem eHealth-Gesetz sind die KBV für den ambulanten und die DKG für den stationären Sektor für die Festlegung einer System- bzw. Arztwechselschnittstelle verantwortlich. Mit der letzten Änderung an diesem Gesetz Ende Mai 2017 sind außerdem Fristen ("2 Jahre nach der Festlegung") festgeschrieben worden.

Der bvitg hat der KBV hier xBDT vorgeschlagen. (Von der QMS kam noch BDT3.0 als Gegenvorschlag.) Bei der DKG verzichtet man vorläufig auf eine Festlegung.

Laut eHealth-Gesetz und EU-DSVG hat der Patient in naher Zukunft ein Recht, seine Daten mitzunehmen.

Sobald (diese) Vorgaben in VESTA verankert sind, kann der Gesetzgeber dafür Fristen vorsehen.

Zweck

Dieser Leitfaden soll unter Verwendung bereits vorhandener und genutzter Spezifikationen einen Strukturvorgabe für einen Datenaustausch bereitstellen, der die u.g. Szenarien abdeckt.

Lösungsansatz

Als Lösungsanatz wird hier XDM gewählt, da damit insbesondere ein Offline-Datenaustausch (ein System ist nicht verfügbar bzw. die Systeme sind nicht online miteinander verbunden) unterstützt wird. XDM selbst macht keine inhaltlichen Vorgaben, was genau auszutauschen ist. XDM stellt eine Strukturvorgabe auf einem Medium bereit und kombiniert dies mit Metadaten, um die bereitgestellten Dateien wieder einlesen/verarbeiten zu können.

Andere Lösungsansätze wie bspw. "Blue Button" oder "FHIR Bulk Data" gehen nur von einer inhaltlich limitierten Abfrage von Informationen ohne Wiedereinlesen bzw. einem Online-Verfahren aus.

Vorteile

Dieser Leitfaden nutzt folgende Eigenschaften, um eine breitere Akzeptanz zu ermöglichen:

  • einsetzbar für verschiedene Szenarien (s.u.)
  • Basiert auf bereits genutzten Standards (wie bspw. IHE ITI XDM, HL7 V3 CDA, DICOM, PDF, FHIR)
  • Verwendet bereits vorhandene deutsche Profile (Arztbrief PLUS, FHIR-Basisprofilierung, ..) bzw. das, was vorhanden ist
  • FHIR gestattet einfache Basisdaten:
    • Patient, Fälle, Aufenthalte, Diagnosen, Prozeduren, Maßnahmen, ..
    • Ggf. zuzügl. Stammdaten (Value Sets)
  • Eine Umsetzung ist inkrementell erweiterbar
    • weitere Ressourcen/Dateien
    • weitere Details in den Ressourcen/Dateien
  • Kurzfristig realisierbar (Spezifikation + Implementierung)
  • Einstieg in Standardisierung

Szenarien

Zur Erfüllung der Anforderungen gemäß eHealth-Gesetz (§291) müssen zwei Szenarien abgedeckt werden. Das ist zum Einen die Möglichkeit, dass ein Arzt das von ihm genutzte System wechseln kann, zum Anderen hat ein Patient das Recht, seinen Arzt zu wechseln und dazu alle notwendigen Daten mitzunehmen.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung sieht ab Mai 2018 vor, dass ein Patient das Recht hat, seine Daten in strukturierter Form zu bekommen. Mit "strukturiert" ist in diesem Fall "Mascheinen lesbar" gemeint, da nur so die Daten für eine weitere Nutzung auch wieder eingelesen werden können.

IHEwss Transaktion.JPG

Welche Prozesschritte und Berechtigungen notwendig sind, um an die Daten zu gelangen, ist nicht Gegenstand dieses Leitfadens.

Systemwechsel

Die erste Möglichkeit der Nutzung ist ein Systemwechsel, d.h. ein System wird durch eines gleichwertiges/Ähnliches/Besseres von einem anderen Hersteller ausgetauscht. Primäres Ziel hierbei ist die Über-/Mitnahme aller relevanten Daten:

IHEwss Systemwechsel.JPG

Bei einem Systemwechsel ist zu beachten, dass das Medium hierbei Daten unterschiedlicher Patienten beinhalten kann. Außerdem können zuerst Kataloge und Stammdaten abgelegt werden.

Arztwechsel

Die zweite Möglichkeit ist die Übertragung aller patientenrelevanten Daten von einem Arzt zu einem anderen. Das primäre Ziel hierbei ist die möglichst vollständige Mitnahme aller behandlungsrelevanten Daten.

IHEwss Arztwechsel.JPG

Aktentransport

Nicht zuletzt kann dieser Mechanismus auch dafür benutzt werden, eine Untermenge der Daten für einen bestimmten Zweck zu übertragen, beispielsweise zur Einholung einer Zweitmeinung.

EU-DSGVO

Laut europäischer Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) hat der Patient ab 18.5.2018 ein Recht darauf, seine Daten in strukturierter Form zu bekommen. Mit "strukturiert" ist in diesem Fall maschinenlesbar und kodiert gemeint, da nur so gewährleistet ist, dass eine größere Datenmenge auch sinnvoll wieder eingelesen und weitergenutzt werden kann. Damit scheidet PDF dann als mögliches Format aus und CDA oder FHIR tritt an diese Stelle.

Auskunftsersuchen

Ein anderer Use Case ist die Beantwortung von Auskunftsersuchen. Hier sind ebenfalls alle Daten bereitzustellen, die zu einem Patienten gehören.

Grobstruktur der Dateien für IHE ITI XDM

Die grobe Dateistruktur, die im folgenden weiter verfeinert wird, sieht wie folgt aus:

Media

Dateistruktur Inhalt Dateiname XDM-Optionalität Profilierung
Treetree.png Document DOC.svg README.TXT statische Readme-Datei fix R R
Treetree.png Document HTML.svg INDEX.HTM HTML-basierte Navigationsseite fix R R
Treetree.png Icon folder.JPG IHE_XDM Hauptordner fix R R
Treeblank.png Treetree.png Icon folder.JPG SUBSET01 Unterordner max. 8 Großbuchstaben optional R
Treeblank.png Treetree.png Icon folder.JPG SUBSET02 Unterordner max. 8 Großbuchstaben optional R
Treeblank.png Treetree.png ... weitere Unterordner max. 8 Großbuchstaben optional
Treetree.png Document DOC.svg OTHERDOC.DAT sonstige Datei, von IHE erlaubt max. 8+3 Großbuchstaben optional O

Inhalte eines Ordners

Dateistruktur Inhalt Dateiname XDM-Optionalität Profilierung
Treetree.png Icon folder.JPG SUBSET01 Unterordner mit Daten max. 8 Großbuchstaben R R
Treeblank.png Treetree.png Document XML.svg METADATA.XML Metadaten für alle in diesem Ordner enthaltene Dateien fix R R
Treeblank.png Treetree.png Document PDF.svg *.PDF PDF-Dokumente max. 8 Großbuchstaben optional R
Treeblank.png Treetree.png Document DOC.svg *.XML CDA-Dokumente max. 8 Großbuchstaben optional O
Treeblank.png Treetree.png Document XML.svg *.XML FHIR-Ressourcen im XML-Format max. 8 Großbuchstaben optional O
Treeblank.png Treetree.png Document DOC.svg *.BDT xBDT-Dateien max. 8 Großbuchstaben optional O
Treeblank.png Treetree.png Document XML.svg *.XML andere XML-basierte Dokumente max. 8 Großbuchstaben optional O

XDM Hauptdateien

XDM sieht vor, dass ein paar Dateien fix vorhanden sein müssen. Diese werden nachfolgend kurz erläutert.

README.TXT

Die README.TXT Datei ist eine Datei, die laut XDM vorhanden sein muss und Aufschluss über das Medium bei Rückfragen gibt.

Beispiel

Erzeugt von:
Allgemeines Krankenhaus
Gesundheitsweg 47
12345 Berlin

Für technische Unterstützung:
Customer Support
0800-555-0889

Erzeugt durch xy GmbH

Inhalt des Mediums:
INDEX.HTM - Inhaltsangabe
/IHE_XDM – administrative + klinische Daten

INDEX.HTM

Die INDEX.HTM Datei wird individuell für das zu erstellende Medium erzeugt und enthält (patientenspezifische) Links, um das Navigieren zu erleichtern.

Beispiel

<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML Basic 1.0//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml-basic/xhtml-basic10.dtd">
<html>
<head>
<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" />
<title>XDM - klinische Dokumente für STEVE FARNSWORTH</title>
</head>
<body>
<h1>
XDM Dokumente:
</h1>
<p>
Erzeugt von: <br/>
Allgemeines Krankenhaus <br/>
Gesundheitsweg 47 <br/>
12345 Berlin
</p>
<p>
Name des Patienten: STEVE FARNSWORTH<br/>
Pat-ID: 3014(1.3.6.1.4.1.21367.2009.1.2.400)<br/>
Geschlecht: M <br/>
DOB:<br/>
Hinter Gasse 7<br/>
12346 Berliln
</p>
<h2>
Dokumente:
</h2>
<p><a href="IHE_XDM\CCD1\CCD_FARN.xml">Allg. Krh. Arztbrief</a></p>
<p><a href="IHE_XDM\CCD2\CCD_FARN.xml">Allg. Krh. Einweisung</a></p>
</body>
</html>

METADATA.XML

Die Metadatendatei beinhaltet alle notwendigen Metadaten für alle auf dem Medium vorhandenen Dateien.

Beispiel

<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<lcm:SubmitObjectsRequest
       xmlns:lcm="urn:oasis:names:tc:ebxml-regrep:xsd:lcm:3.0"
       xmlns:rim="urn:oasis:names:tc:ebxml-regrep:xsd:rim:3.0">
  <rim:RegistryObjectList>
    <rim:ObjectRef id="urn:uuid:7edca82f-054d-47f2-a032-9b2a5b5186c1" />
    <rim:ExtrinsicObject
          id="urn:uuid:9573e35e-356a-882c-9ba9-0016cf875c54"
          objectType="urn:uuid:7edca82f-054d-47f2-a032-9b2a5b5186c1"
          mimeType="text/xml" >
      <rim:Slot name="creationTime">
          <rim:ValueList>
             <rim:Value>20110119154305</rim:Value>
          </rim:ValueList>
      </rim:Slot>
      <rim:Slot name="hash">
          <rim:ValueList>
             <rim:Value>093fe223f551c82e275d56d962781f38dc60d360</rim:Value>
          </rim:ValueList>
      </rim:Slot>
      <rim:Slot name="size">
          <rim:ValueList>
             <rim:Value>38235</rim:Value>
          </rim:ValueList>
      </rim:Slot>
      <rim:Slot name="URI">
          <rim:ValueList>
             <rim:Value>CCD_FARN.xml</rim:Value>
          </rim:ValueList>
      </rim:Slot>
       ...
    </rim:ExtrinsicObject>
    ...
  </rim:RegistryObjectList>
</lcm:SubmitObjectsRequest>

Folgende Metadaten sind bereitzustellen:

Slot Name Inhalt Optionalität Beispiel
size Größe der Datei O
URI Name der Datei R
hash Hashwert der Datei C (Signatur)
creationTime Erzeugungsdatum der Datei O 20110119154305
Beschreibung des Inhaltes O
Dateiformat O

weitere Dateien

Namenskonvention für die Dateinamen

XDM verlangt, dass alle Dateien in der "alten" 8+3-Konvention mit Großbuchstaben erstellt werden. Für eine korrekte Abarbeitung sind Namen zu wählen, die alphabetisch sortiert werden können und die gemäß dieser Sortierreihenfolge abzuarbeiten sind. Das gilt auch für Ordner.

Inhalte

Als Dateien können alle Dateien verwendet werden, die aufgrund anderer Use Cases schon erstellt und kommuniziert werden. Darüber hinaus werden strukturierte Inhalte verlangt, die in Form von CDA-basierten Dokumenten und FHIR-Resourcen bereitgestellt werden.

Stammdaten und Kataloge (Vokabularien)

Im Falle eines Systemwechsels sind auch Stammdaten und Kataloge zu ex- und importieren.

  • Stammdaten
  • Kataloge
    • ICD
    • ICPM
    • ..

PDF-Dokumente

Die derzeit gängige Art Informationen auszutauschen ist über PDF. Hier können alle PDF-basierten Dokumente genutzt werden.

CDA

HL7-Deutschland hat offiziell eine Reihe von Leitfäden erstellt, die auf CDA basieren. Diese können alle genutzt werden:

  • Arztbrief
  • Entlassbrief
  • Ein-/Überweisung
  • Rezepte, Medikationsplan
  • ..

FHIR

Das technische Komitee für FHIR erarbeitet derzeit eine Reihe von Basisprofilen zur Nutzung von FHIR in Deutschland. Bei der Nutzung von FHIR-basierten Dateien (=Resourcen) sind diese Profile einzuhalten:

Grundlegende Informationen zur Nutzung von FHIR-Profilen sind hier zu finden: }}

FHIR-Ressourcen

Resource Inhalt Link Beispiele
administrativ
Patient demographische Daten http://fhir.de/StructureDefinition/patient-de-basis https://simplifier.net/BasisprofilDE/Patient-example
Encounter Fallinformationen
klinisch
Concern (Diagnosis) Diagnosen
Condition https://simplifier.net/BasisprofilDE/condition-de-basis
Observation Beobachtungen, Meßwerte und Befunde
Procedure Maßnahmen
Medication Medikation
MedicationStatement
AllergyIntolerance
Goal
FamilyMemberHistory
finanziell
Coverage Versicherungsinformationen http://fhir.de/StructureDefinition/coverage-de-basis, https://simplifier.net/BasisprofilDE/coverage-de-gkv, https://simplifier.net/BasisprofilDE/coverage-de-sel
technisch
CodeSystem Kataloge
ValueSet Wertemengen (Auswahllisten)
organisatorisch
Practitioner Ärzte
Organization Organisationen http://fhir.de/StructureDefinition/organization-de-basis, https://simplifier.net/BasisprofilDE/organization-de-basis
...

FHIR-Datentypen

FHIR Resourcen sind nicht nur auf Ressourcenebene profiliert, es gibt auch spezielle Vorgaben für die Nutzung der Datentypen in bestimmten Kontexten:

(xBDT)

Für den ambulanten Bereich hat der bvitg der KBV die Nutzung von xBDT vorgeschlagen. Daher können die entsprechenden Satzarten ebenfalls genutzt werden.

Folgende Satzarten sind zu unterstützen:

Satzart Inhalt Optionalität Beispiel
... R
Zu besseren Integration sollte hier aber überlegt werden, ob nicht zugunsten internationaler Standards nicht besser auf FHIR Resourcen gewechselt wird.

Signatur

Einzelsignatur

Individuell für einzelne Dateien.

Stapelsignatur

Im Falle von Stapelsignaturen kann am besten von den Metadatendateien Gebrauch gemacht werden. Dafür sind für alle betroffenen, d.h. zu signierenden Dateien die entsprechenden Hashwerte anzugeben. Die Signatur wird auf die Metadatendatei angewendet.

Verschlüsselung

Transportmöglichkeiten

XDM sieht laut Technical Framework CD-R, USB-Sticks und ZIP-Dateien vor. Es spricht aber auch nichts dagegen, hier auch DVD, Terrabyte-Festplatten, NAS-Laufwerke und ggf. - sofern es datenschutzrechtlich abgesichert ist - Cloud-Speicher einzusetzen.

Implementierung

Der hier vorgestellte Ansatz bietet die Möglichkeit einer Skalierung in mehrere Dimensionen, so dass klein angefangen, später aber mit zusätzlichen Details ergänzt werden kann.

Anhang

Beispiele

Literatur

  • www.ihe.net
    • XDM

Referenzen

  1. Abstimmungsverfahren (Regeln) des Interoperabilitätsforums http://wiki.hl7.de/index.php?title=Abstimmungsverfahren_(Regeln)
  2. HL7 Deutschland e. V. http://www.hl7.de